A DIFFERENT ROOM

A Different Room.
Film 28 sec
Teresa Stillebacher

Ausstellungsbeitrag für
Die Körper und der Raum – 114 Beiträge zu einer sinnlichen Erkenntnis im aut.architektur und tirol
A Different Room erzählt vom Entfremden in den virtuellen Räumen und einer neuen Körperlichkeit der visuellen Medien. Die 70 vermeintlichen Kuscheltiere sind künstlich erzeugte Bilder, Produkte eines GAN (Generative Adversarial Networks), das Mithilfe von image synthesis die ‚Gene‘ verschiedener Bilder miteinander verschmilzt und immer neue Arten kreiert. So entstehen Bilder, die nur den Anschein haben, dass wir sie kennen. Erst beim genaueren Hinsehen verrät sich die künstliche Intelligenz. Von einer text-to-speech Software wird vorgelesen. Sie heisst Amy.
Der Text bezieht sich auf das 1969 vertonte Klangkunstwerk ‚I am sitting in a room‘ des Komponisten Alvin Lucier. Das Stück zeigt Lucier, wie er selbst einen Text erzählt und dann die Tonbandaufnahme in den Raum immer wieder zurückspielt und erneut aufzeichnet, bis dieser sich in Rauschen auflöst.

 

Text zur Ausstellung:

„Einen Raum oder einen Ort erinnern zu können, setzt vor allem voraus, dass die Erinnerung im Körper gespeichert wird. So übertragen wir alle Städte und Dörfer, die wir besucht haben, und alle Orte, die wir wiedererkannt haben, in Erinnerungen, die wir im Körper tragen.“ (Juhani Pallasmaa)

Raum ist ein synästhetisches Phänomen und wird mit allen unseren Sinnen wahrgenommen, von den Augen über die Ohren und der Nase bis zum größten Organ, der Haut. Nicht ohne Grund spricht man vom Raum als dritter Haut, der die Sinneswahrnehmung und unsere körperlichen Erfahrungen prägt. Proportion, Materialität und Licht erzeugen Atmosphären, stimmen den Raum und beeinflussen die Rezeption. Sowohl im kleinen als auch im größeren Maßstab, wie z. B. im öffentlichen Raum, beeinflusst die Gestaltung das individuelle wie auch kollektive Empfinden und damit letztlich unser soziales Verhalten.

Es gibt eine lange und umfassende Geschichte der Auseinandersetzung mit der Körper-Raum-Beziehung: vom Versuch von der Körperproportion auf ein gültiges Raummaß zu schließen über fotografische oder filmische Analysen bis hin zu künstlerischen wie auch architektonischen Konzepten oder realisierten Bauten, die dieses Thema behandeln und zwischen Körper und Raum vermitteln. Zunehmend verändert auch die virtuelle Welt die Körper-Raum-Beziehung und beeinflusst unser soziales wie gesellschaftliches Leben.

In den letzten Monaten mussten wir erfahren, dass die gewohnte Körper-Raum-Beziehung brüchig geworden ist und wir in einer mehrschichtigen Distanzerfahrung leben müssen. Sowohl der soziale Aspekt, die Entkörperlichung des Alltags, die spürbare Veränderung des öffentlichen Raums wie des individuellen räumlichen Lebens und die zunehmende Verlagerung vieler Lebensbereiche in den virtuellen Raum haben Fragen zur Beziehung zwischen uns als sozialen Wesen und der persönlichen wie kollektiven Raumerfahrung aufgeworfen.

Dieser „intakten“ oder „gestörten“ Beziehung zwischen Körper und Raum und deren gesellschaftspolitischer Bedeutung widmet sich die Ausstellung „Die Körper und der Raum“, zu der über 200 Personen eingeladen wurden – Architekt*innen, Grafiker*innen, Designer*innen, Künstler*innen, Theoretiker*innen, Historiker*innen und Kritiker*innen, die in den vergangenen Jahren mit ihren Ausstellungen, Vorträgen, „Vor-Ort“-Gesprächen sowie ihrer Jurytätigkeit und nicht zuletzt als aktive Mitglieder des aut am Programm mitgewirkt haben.

Rund 110 sind unserer Einladung gefolgt und haben einen Beitrag zu dieser Ausstellung in Form einer visuellen, hör- oder lesbaren Referenz geleistet, die die jeweils persönlich wahrgenommene Beziehung zwischen dem/den Körper/n und dem realen, sozialen wie auch virtuellen Raum so gut wie möglich verdeutlicht. Mit der Präsentation dieser um einen kurzen erklärenden Text ergänzten Fotos, Grafiken, Filmen und Tondokumenten setzt das aut jene Ausstellungsreihe fort, die – wie „Haus Enzian“, „ex libris“, „sketches“, „genius loci“ und zuletzt „einfach alltäglich“ – versucht, die Wahrnehmung und den persönlichen Zugang von Architekt*innen und Gestalter*innen zu einem Thema zu vermitteln.  (Quelle: https://aut.cc/ausstellungen/die-koerper-und-der-raum)